Ein Gedankenanstoß der besonderen Art für Prokrastinierer, Überforderte, und jeden, der sich etwas vorgenommen hat aber nicht wirklich vorwärts kommt.


"If you don’t love it, don’t waste your time."

Ein tolles Zitat, oder?

Heute will ich mal meine erste Buchbesprechung einstellen. Ich finde Bücher sind etwas elementar wichtiges um sich selbst oder seine Umgebung zu verändern. Und neben reinen Technik- und Methodikbüchern gibt es ja auch viele Bücher die ich jetzt einfach mal "Lebenshelfer" nenne. Ob die jetzt nur in einer bestimmten Situation helfen oder dabei das Leben oder die Firma umzukrempeln ist dabei egal.

Eines dieser Bücher ist "The War of Art" von Steven Pressield. Ich bin über ein Zitat auf dieses Buch mit dem Untertitel "Break Through the Block and Win Your Inner Creative Battle" aufmerksam geworden:

"Of any activity you do, ask yourself: If I were the last person on earth, would I still do it"

Das hat mich neugierig gemacht, und das Buch hat als eBook den Weg in meinen Reader gefunden.

Steven Pressfield ist eigentlich ein Autor von Novellen, muss aber wohl irgendwann mal eine schöpferische Krise durchlebt haben, und sich dann Gedanken darüber gemacht, wie man da wieder raus kommt. The War of Art handelt genau davon: Wie gebe ich mir den notwendigen Schubs, um mit etwas anzufangen, bzw. Wie bleibt man am Ball um auch etwas fertig zu stellen. Das Buch steht schon länger in den Regalen und wurde 2002 zum ersten Mal veröffentlicht.

Es ist in drei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil, "Resistance" führt er nahezu jeden Grund auf, hinter dem jeder von uns sich schon das ein oder andere Mal versteckt hat, wenn es darum ging eine Aufgabe nicht zu erledigen. Resistance ist für ihn die Wurzel allen Übels. Und in wirklich vielen seiner Ausführungen findet man sich kopfnickend wieder. Vieles ist einem klar wenn man es liest und man darüber nachdenkt.

Aus dem Kapitel Resistance is Infallible:

"Rule of thumb: The more important a call or action is to our soul's evolution, the more Resistance we will feel toward pursuing it."

Auch der Umgang mit Ängsten und Selbstzweifeln wird angesprochen. Er bezeichnet diese Art von Unsicherheit auch als Verbündeten, weil Selbstzweifel ein Anzeichen für das Streben nach Verbesserung sein können, und Angst vor einer Veränderung normaler ist, als sich strotzend vor Selbstüberzeugung auf einen steinigen Weg zu begeben.

"The counterfeit innovator is wildly self-confident. The real one is scared to death."

Den zweiten Teil, "Combating Resistance", widmet er den Strategien gegen diese Widerstände. Immer wieder verdeutlicht er dabei den Unterschied zwischen einem "Professional" und einem "Amateur". Was macht der Profi anders als der Hobbyist? Auch aus diesem Buch wieder ein Satz der mir besonders gut gefallen hat:

"The professional, though he accepts money, does his work out of love. He has to love it. Otherwise he wouldn't devote his life to it of his own free will"

Mag sein, dass viele jetzt aufschreien werden, aber ich stimme ihm da zu.

Die beiden ersten Teile haben mir ausgesprochen gut gefallen. Bei vielen Sätzen kommt man ins Grübeln, sagt sich "stimmt", "absolut richtig", und es fallen einem Situationen aus dem eigenen Leben ein.

Der dritte Teil, "Beyond Resistance -The Higher Realm", der Titel lässt es ahnen, wurde mir dann aber etwas  zu philosophisch. Er geht stark auf das "Self" ein und es wird oft auf Gott zurückgegriffen, und damit langweilt er so einen alten Agnostiker wie mich nur.  Was mir noch ganz gut gefallen hat ist die Unterscheidung "Territory versus Hierarchy". Dort geht er z. B. darauf ein, dass Hierarchien für Künstler Gift sind, und warum "territoriales" Denken wichtig ist, wenn man etwas professionell angehen möchte. Sein schönes, plastisches Beispiel ist dafür der gute olle Termi Arnold Schwarzenegger, für den sein Gym sein Territorium ist. Dort tobt er sich aus, da geht er rein um sich professionell zu entwickeln. Da muss ihm keiner von oben sagen "jetzt aber ab für 2 Stunden ins Studio". Das ist so tief in ihm drin, er muss da überhaupt nicht mehr drüber nachdenken. Training ist sein Beruf und seine Berufung. Und wenn man es geschafft hat eine Aktivität so zu seiner Lebenseinstellung zu formen, dann gibt es auch keinen Widerstand mehr dagegen.

Mit seinen 190 Seiten und der recht platzraubenden Aufmachung der Kapitel ist man das Buch ziemlich fix durch. Auch wenn das letzte Kapitel für meinen Geschmack etwas zu esoterisch ist, finde ich das Buch als Ganzes doch gelungen. Es regt zum Nachdenken über einen selbst, zur "self awareness" an, und ich persönlich habe aus dem ein oder anderen Spruch einen persönlichen Motivator gewonnen.

Egal was für ein Projekt man gerade vor sich herschiebt, sei es etwas schaffendes (Buch, Bild, Musik), etwas Leben-umkrempelndes (Heirat, Umzug) oder eine berufliche Um- oder Neuorientierung, man kann aus diesem Buch Motivation mitnehmen. Und damit hat es sich für mich auf jeden Fall gelohnt.

Aufgrund des religiösen Touches würde ich von fünf möglichen Sternen einen abziehen, der Rest des Buches verdient aber auf jeden Fall vier.

Bezugsquelle: www.stevenpressfield.com/the-war-of-art/